{"id":492,"date":"2020-09-13T16:15:21","date_gmt":"2020-09-13T14:15:21","guid":{"rendered":"https:\/\/hatikva.de\/schlussstrich\/?page_id=492"},"modified":"2021-01-05T16:21:42","modified_gmt":"2021-01-05T15:21:42","slug":"soll-das-bleiben-muss-das-weg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hatikva.de\/schlussstrich\/themenbereiche-nach-15-9-2020\/antisemitismus-in-religionskritik\/soll-das-bleiben-muss-das-weg\/","title":{"rendered":"&#8222;Soll das bleiben &#8211; Muss das weg?&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<h1>Umgang mit judenfeindlicher Symbolik an christlichen Kirchen<\/h1>\n\n\n\n<h2>Fachliche Einfu\u0308hrung und Entscheidungshilfe<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Umgang mit alten, judenfeindlichen Darstellungen an christlichen Kirchen wird in der Wissenschaft und Gesellschaft kontrovers diskutiert \u2013 wenngleich gerichtliche Entscheidungen zum Verbleib solcher Darstellungen, wie beim antisemitischen &#8222;Judensau&#8220;-Relief an der Wittenberger Stadtkirche, schon gef\u00e4llt wurden. Die sogenannte &#8222;Judensau&#8220; war im Mittelalter als antisemitische Schm\u00e4hkarikatur weitverbreitet. Aufgrund des damals vorherrschenden Analphabetismus bemu\u0308hte man sich, eine leicht zu entschlu\u0308sselnde Bildsprache zu verwenden. Durch diese Form und ihre Tradierung konnten die judenfeindlichen Intentionen der figu\u0308rlichen Darstellungen von jeder Person erkannt werden. Die bildliche Diffamierung greift konstruierte Merkmale auf und stellt Juden in Abgrenzung zum Christentum als Fremde, Andere und das B\u00f6se schlechthin dar. In den christlichen &#8222;Judensaudarstellungen&#8220; werden Juden demnach entmenschlicht und d\u00e4monisiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-background-color has-background\"><i class=\"fas fa-book-open\"><\/i> Antijudaismus bezeichnet eine christlich-religi\u00f6s gepr\u00e4gte Judenfeindschaft. Grundlage hierfu\u0308r waren die Abgrenzungsbestrebungen der christlichen Kirchen gegenu\u0308ber dem Judentum. Ein fester Bestandteil dieser religi\u00f6s begru\u0308ndeten Ausgrenzungspraxis war dabei der Vorwurf des Gottesmordes, aus dem sich sp\u00e4ter Ritualmordlegenden und der Vorwurf der Hostiensch\u00e4ndung ableiteten. Dabei kam es zu einer dualistischen Einordnung des Judentums als abgrundtief b\u00f6se, demgegenu\u0308ber wurde das Christentum durchweg positiv besetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch beim heute virulenten Antisemitismus sind diese klassischen Stereotype der Judenfeindschaft erkennbar, was die lange Tradierung als uraltes, abgespeichertes Muster des Judenhasses im kollektiven Ged\u00e4chtnis der Gesellschaft zeigt. Ru\u0308ckgriffe auf das Schimpfwort &#8222;Judensau&#8220; finden sich daher nicht nur in der Zeit des Nationalsozialismus, sondern auch heute zum Beispiel als Beleidigung in Fu\u00dfballstadien und auf Schulh\u00f6fen.<br>Folglich stellt sich die Frage:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Wie sollte mit antijudaistischer Symbolik in und an Kirchen heutzutage umgegangen werden?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Ziele:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Die Teilnehmenden setzen sich mit kontroversen gesellschaftlichen Themen in Bezug auf den Umgang mit judenfeindlichen Darstellungen auseinander und bilden sich dabei eine eigene Meinung und artikulieren diese.<\/li><li>Die Teilnehmenden sind bef\u00e4higt, antisemitische Inhalte in christlichen Darstellungen zu erkennen und einzuordnen.<\/li><li>Die Teilnehmenden verstehen die Problematik judenfeindlicher Darstellungen fu\u0308r die Gegenwart und erkennen die diffamierende Herabsetzung fu\u0308r Betroffene.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Kurzablauf:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<table id=\"tablepress-15\" class=\"tablepress tablepress-id-15\">\n<thead>\n<tr class=\"row-1 odd\">\n\t<th class=\"column-1\">Ablauf<\/th><th class=\"column-2\">Methode<\/th><th class=\"column-3\">Material<\/th><th class=\"column-4\">Zeitumfang<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody class=\"row-hover\">\n<tr class=\"row-2 even\">\n\t<td class=\"column-1\">Bildbeschreibung, Bildanalyse und Auswertung<\/td><td class=\"column-2\">Kleingruppenarbeit oder im Plenum (optional: Recherche im Internet)<br \/>\nErl\u00e4uterung und Ru\u0308ckfragen<\/td><td class=\"column-3\">Arbeitsblatt<\/td><td class=\"column-4\">10 Minuten<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-3 odd\">\n\t<td class=\"column-1\">Diskussion<\/td><td class=\"column-2\">Gruppenarbeit<\/td><td class=\"column-3\">Arbeitsblatt, Stifte<\/td><td class=\"column-4\">20 Minuten<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-4 even\">\n\t<td class=\"column-1\">Ergebnissicherung<br \/>\nDiskussion<\/td><td class=\"column-2\">Vorstellung der Ergebnisse<br \/>\nBesprechung und Auswertung<\/td><td class=\"column-3\"><\/td><td class=\"column-4\">15 Minuten<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<!-- #tablepress-15 from cache -->\n\n\n\n<p><strong>Ablauf:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1) Zu Beginn stellen Sie den Teilnehmenden die erste Arbeitsaufgabe vor. Fu\u0308r diese Bildanalyse kann das Arbeitsblatt genutzt werden. Welche zus\u00e4tzlichen Informationen Sie den Teilnehmenden geben, richtet sich nach dem Kenntnisstand der Zielgruppe. Gegebenenfalls k\u00f6nnen Sie die Teilnehmenden auch kurz im Internet recherchieren lassen.<br>Die herabwu\u0308rdigende, antiju\u0308dische Bedeutung der Skulptur sollte bei der Bildanalyse klar herausgearbeitet oder gegebenenfalls durch den Teamenden erg\u00e4nzt werden (siehe dazu auch Zusatzinformationen und L\u00f6sungsans\u00e4tze).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/hatikva.de\/schlussstrich\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/judensau-1024x682.jpg\" alt=\"&quot;Judensau&quot;-Relief an der Wittenberger Stadtkirche, Bildnachweis: Posi66, CCBY-SA, Wikipedia commons\" class=\"wp-image-495\" srcset=\"https:\/\/hatikva.de\/schlussstrich\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/judensau-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/hatikva.de\/schlussstrich\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/judensau-300x200.jpg 300w, https:\/\/hatikva.de\/schlussstrich\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/judensau-768x511.jpg 768w, https:\/\/hatikva.de\/schlussstrich\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/judensau.jpg 1386w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>&#8222;Judensau&#8220;-Relief an der Wittenberger Stadtkirche (entstanden 1280) (Bildnachweis: Posi66, CCBY-SA, Wikipedia commons)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><i class=\"far fa-clock\"><\/i> 10 Minuten<\/p>\n\n\n\n<p>2) Mithilfe des Zitats von Andreas Mertin (siehe unten) sollen sich die Teilnehmenden nun in Gruppenarbeit zum Umgang mit judenfeindlicher Symbolik wie der &#8222;Judensau&#8220; in der Gegenwart positionieren. Die einzelnen Gruppen sollten w\u00e4hrend der Gruppenarbeit betreut werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Folgende Denkanst\u00f6\u00dfe und Hinweise k\u00f6nnen dabei hilfreich sein (siehe auch Zusatzinformationen und L\u00f6sungsans\u00e4tze):<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Verletzung der Menschenwu\u0308rde, Beleidigung im \u00f6ffentlichen Raum nach StGB,<\/li><li>Erniedrigung, Verh\u00f6hnung, Beschimpfung, fortw\u00e4hrende Beleidigung aller Juden (Blick auf die Betroffenenperspektive)<\/li><li>eventuell Instrumentalisierung der judenfeindlichen christlichen Symbolik durch extremistische Gruppen<\/li><li>Aspekte des Denkmalschutzes (Skulptur als Zeitzeugnis)<\/li><li>Aspekte der Gedenk- und Aufarbeitungsgeschichte<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-background-color has-background\"><strong>Mertin, Andreas: <\/strong>Der ganz normale Antijudaismus? \u00dcberlegungen zur Ethik der Kunst (2009)<br><em>&#8222;Das Motiv der so genannten Judensau mag innerhalb der christlichen Kirchen heute keinerlei Bedeutung mehr haben, aber auf deutschen Fu\u00dfballpl\u00e4tzen kann man es durchaus als verbalen Angriff noch h\u00f6ren. Muss man dem Vorschub leisten? Es ist merkwu\u0308rdig, dass in Deutschland in den Kirchen die Symbolik des Nationalsozialismus nach 1945 aus den Kirchen entfernt wurde, nicht aber die den Antisemitismus der Nazis erm\u00f6glichenden und bef\u00f6rdernden antijudaistischen und antisemitischen Bilder. Das gibt dann doch zu denken.&#8220;<\/em><br>Vollst\u00e4ndiger Text abrufbar unter: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.theomag.de\/59\/am287.htm\" target=\"_blank\">http:\/\/www.theomag.de\/59\/am287.htm<\/a><br>(letzter Zugriff: 25.03.2020)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><i class=\"far fa-clock\"><\/i> 20 Minuten<\/p>\n\n\n\n<p>3) Ergebnissicherung und Abschlussdiskussion: Nach der Vorstellung der Gruppenergebnisse sollen die Positionierungen der jeweiligen Gruppen diskutiert werden. Bei der Abschlussdiskussion sollte vor allem gekl\u00e4rt werden:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Warum ist die Pr\u00e4senz von antijudaistischen Objekten bei \u00f6ffentlichen Kulturgu\u0308tern oder religi\u00f6sen Institutionen so problematisch?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><i class=\"far fa-clock\"><\/i> 15 Minuten<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur und weiterfu\u0308hrende Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zur judenfeindlichen Symbolik der &#8222;Judensau&#8220;<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Mertin, Andreas: Der ganz normale Antijudaismus?: \u00dcberlegungen zur Ethik in der Kunst. \u2013 2009<\/li><li><a href=\"http:\/\/www.christliche-sauerei.de\/thema\/thema.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">http:\/\/www.christliche-sauerei.de\/thema\/thema.html<\/a><\/li><li>Rusam, Hermann: &#8222;Judensau&#8220;-Darstellungen in der plastischen Kunst Bayerns: ein Zeugnis christlicher Judenfeindschaft. \u2013 In: Begegnungen: Zeitschrift fu\u0308r Kirche und Judentum. \u2013 (2007) Sonderheft 90<\/li><li><a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/umgang-mit-judensau-darstellungen-mit-den-spannungen-leben.886.de.html?dram:article_id=470639\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/umgang-mit-judensau-darstellungen-mit-den-spannungen-leben.886.de.html?dram:article_id=470639<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/michael-wolffsohn-ueber-die-wittenberger-judensau-eine.886.de.html?dram:article_id=469556\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/michael-wolffsohn-ueber-die-wittenberger-judensau-eine.886.de.html?dram:article_id=469556<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Allgemein zum Antijudaismus<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Benz, Wolfgang: Bilder vom Juden: Studien zum allt\u00e4glichen Antisemitismus. \u2013 Mu\u0308nchen: Beck, 2001 (Becksche Reihe ; 1449)<\/li><li>Die Juden in der Karrikatur: ein Beitrag zur Kulturgeschichte \/ Hrsg.: Eduard Fuchs. \u2013 Berlin: Klaus Guhl, 1985<\/li><li>Der ewige Judenha\u00df: christlicher Antijudaismus, deutschnationale Judenfeindschaft, rassistischer Antisemitismus \/ Hrsg.: Christina von Braun (u.a.). \u2013 Berlin: Philo Verlag, 2000<\/li><li>Heil, Johannes: Antijudaismus und Antisemitismus: Begriffe als Bedeutungstr\u00e4ger. \u2013 In: Jahrbuch fu\u0308r Antisemitismusforschung 6 \/ Hrsg.: Wolfgang Benz. \u2013 Frankfurt am Main: Metropol Verlag, 1997. \u2013 S. 92 \u2013 114<\/li><li>Antijudaismus: christliche Erblast \/ Hrsg.: Walter Dietrich (u.a.). \u2013 Stuttgart: Kohlhammer, 1999<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Umgang mit judenfeindlicher Symbolik an christlichen Kirchen Fachliche Einfu\u0308hrung und Entscheidungshilfe Der Umgang mit alten, judenfeindlichen Darstellungen an christlichen Kirchen wird in der Wissenschaft und Gesellschaft kontrovers diskutiert \u2013 wenngleich gerichtliche Entscheidungen zum Verbleib solcher Darstellungen, wie beim antisemitischen &#8222;Judensau&#8220;-Relief an der Wittenberger Stadtkirche, schon gef\u00e4llt wurden. 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